Nach dem ersten Geburtstag geht eine Wandlung im Baby vor: Aus dem kleinen unschuldigen Engel wird mehr und mehr ein Kind mit eigenem Willen. Es beginnt meist mit kleineren Revolutionen: Die Mutter ruft „Nein!“ aber das Kind schaut sie nur kurz interessiert an und fährt dann mit einem verbotenen Tun fort. Auf wiederholte Ermahnungen der Eltern reagiert es vielleicht mit einem frechen Grinsen oder einer demonstrativen Nichtbeachtung.
Ratlos fragen sich Eltern, ob sie bereits in der Erziehung versagt haben, ob im ersten Lebensjahr Fehler begangen wurden oder ob das Kind gar ein Problem mit den Ohren hat.
Doch meistens steckt dahinter eine ganz normale Entwicklung: Die Entstehung von Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. Dieser Vorgang gipfelt früher oder später in einem Verhalten, das man Trotzanfall nennt. Das Kind schmeißt sich auf den Boden, tritt und schlägt, schreit aus Leibeskräften und lässt sich durch nichts beruhigen. Besonders in der Öffentlichkeit ist ein solcher Trotzanfall vielen Eltern peinlich, denn durch solch lautstarkes Theater gibt es natürlich auch eine Menge interessierter Zuschauer die nun neugierig beobachten wie sich die Mutter in dieser Situation verhält. Um es vorweg zu nehmen: Man wird es nicht jedem Recht machen können! Während einige Zuschauer vielleicht ungefragt zu strengem Durchgreifen raten, sind andere dafür, das Kind zu ignorieren oder seinem Willen nachzugeben.
Bei genauer Betrachtung wird man erkennen, dass das Kind von seinen eigenen starken Gefühlen überwältigt wurde. Es lernt erstmals Gefühle von Wut und Ohnmacht kennen und weiß nicht mit ihnen umzugehen. Dem Kind einen sanften Weg durch dieses Gefühlschaos zu zeigen ist nun die Aufgabe der Eltern.
Doch oft sind es nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern, die trotzen. Sie bemerken nicht den Fortschritt ihres Kindes und verweigern ihm z.B. die Jacke selbst zu schließen oder allein mit dem Löffel zu essen. Hier sollten Eltern genug Raum zum Üben und Ausprobieren geben. Auch wenn es schwer fällt sich vom Baby zu verabschieden, die Entwicklung des Kindes und seiner Fähigkeiten geht weiter und das ist ein erstaunlicher, spannender Vorgang.